Laufschuh-Kauf Joachim Saukel - Expertentipp
Joachim Saukel
Running / 03.05.2016

Laufschuh-Kauf: Warum Beratung wichtig ist!!

Joachim Saukel Laufsport Saukel
Experte

Gut beraten zum richtigen Laufschuh! Im Interview mit laufen.de – das Magazin erklärt Laufexperte Joachim Saukel, wobei du beim Kauf von Laufschuhen unbedingt achten solltest.

Joachim Saukel im Interview

Mittlerweile gilt: Der Schuh soll sich dem Laufstil seines Trägers optimal anpassen. Wie funktioniert das?

Es gibt unterschiedliche Laufstile - im Kern sind das der Fersen-, Vorfuß- und der Mittelfußlaufstil. Entsprechend des bevorzugten Laufstils setzt der Fuß an einer anderen Stelle auf. Dem muss sich der Schuh biomechanisch anpassen. Das funktioniert beispielsweise durch unterschiedlich angebrachte Flexkerben an der Außensohle und durch eine entsprechende Geometrie der Zwischensohle. Manche Hersteller entkoppeln die Ferse oder segmentieren die Sohle des Schuhs. Die Kunst des Laufschuhberaters liegt nun darin, den richtigen Schuh für den entsprechenden Laufstil zu finden und nicht den Laufstil dem Schuh anzupassen. Dabei ist eine gut durchgeführte Laufbandanalyse (am besten von hinten unter Einbeziehung der Hüfte) in Kombination mit einer zweiten Kamera von der Seite sehr hilfreich. In der Bewegungs- und Laufstilanalyse bevorzugen wir den "Mittelfußlaufstil" - also einen flachen Fußaufsatz.

Wenn Einlagen die Verletzungshäufigkeit reduzieren können - wie finde ich die passende Einlage?

Das Interessante an dieser Studie ist, dass das Komfortempfinden bei den Probanden ganz unterschiedlich war. Ob härter oder weicher, das ist völlig individuell ausgefallen. Jedoch hat sich die jeweils am angenehmsten empfundene Sohle am positivsten in Bezug auf die Verletzungshäufigkeit ausgewirkt. Es hilft also wirklich nur ausprobieren. Grundsätzlich gilt: Eine Einlegesohle muss immer eine Komfortverbesserung darstellen.

Laufschuhe sollen den Läufer unterstützen, sich so zu bewegen, wie es der Körper möchte. Welcher Schuh kann das überhaupt?

Der "preferred movement path", also der bevorzugte Bewegungsablauf des Gelenks, bleibt nach den Untersuchungen von Professor Nigg immer gleich. Nach dieser These darf ein guter Laufschuh nicht entgegenwirken, sondern soll dem Fuß diese Freiheit lassen. In der Praxis der Laufschuhberatung hat sich gezeigt, dass eine fundierte Laufbandanalyse unter Berücksichtigung der Beinachse (Hüfte abwärts) und der Knierotation mit einem anschließenden Test auf normalen Untergrund vor dem Laden oder auf einer Laufstrecke im Geschäft die besten Ergebnisse zeigt. So werden alle Parameter und vor allem auch das so wichtige subjektive Empfinden des Läufers berücksichtigt. Hersteller wie Brooks mit dem Transcend oder die noch relativ junge Schweizer Firma On setzen ganz gezielt auf die Berücksichtigung des "preferred movement path". Wichtige Faktoren sind aber nach wie vor die Fußform und das Gewicht des Läufers. Ich stelle aber auch die Frage: Warum soll ein Läufer, der seit Jahren mit einem Stabilschuh sehr gut und problemfrei läuft, auf einmal etwas ändern?

Die beste Beratung gibt es im Fachgeschäft. Was muss ich mitbringen, damit ich am Ende mit dem für mich optimalen Schuh nach Hause gehe?

Alle vorherigen Punkte und Argumente machen deutlich, dass man beim Laufschuhkauf nicht am Fachgeschäft vorbeikommt. Am besten bringt der Kunde seine alten, oder noch besser seinen bisherigen Lieblingsschuh mit. So kann der Verkäufer Rückschlüsse auf Laufstil und Laufverhalten ziehen. Ein gutes Fachgeschäft hat ausreichend Testsocken zur Anprobe zur Verfügung. Wenn der Kunde oder die Kundin eine bevorzugte Lieblingssocke hat, dann sollte er auch diese dabei haben.

Die Trends von heute

Früher waren Schuhe da, um Läufer bei Bedarf zu korrigieren. Warum wird die Stütze im Schuh immer unwichtiger?

Moderne Laufschuhe werden immer stärker nach Erkenntnissen aus der Biomechanik konzipiert. Das wirkt sich häufig so positiv auf den Bewegungsablauf aus, dass eine Pronationsstütze nicht mehr notwendig ist. Mittlerweile stellen sich sogenannte neutrale Schuhmodelle besser in der Laufanalyse dar als bisherige Stabilschuhe. Aus diesem Grund werden heute auch mehr Neutralschuhe verkauft, als noch vor ein paar Jahren.

Neue Studien zeigen, dass Dämpfung keinen Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit hat. Wozu braucht ein Laufschuh überhaupt Dämpfung?

Entscheidend ist das richtige Maß an Dämpfung. Und das wird wiederum vom Lauftempo bestimmt. Der schnelle Läufer zieht meist ein härteres Modell vor. Also ist eigentlich der Läufertyp der wichtigste Faktor. Andere Studien haben übrigens ergeben, dass eine Dämpfung möglichst nah am Fuß sehr wohl einen entscheidenden Einfluss auf die Verletzungshäufigkeit bei Läufern hat. Richtig ist, was dem Läufer guttut. Noch vor zwei bis drei Jahren haben viele Läufer auf Schuhe mit null Dämpfung gesetzt, sogenannte Barfußschuhe. Dieselben Läufer sind heute in Schuhen mit extrem dicken Sohlen und damit extremer Dämpfung unterwegs.

a picture

"Der Kunde sollte auf jeden Fall etwas Zeit mitbringen, um so die volle Aufmerksamkeit des Beraters genießen zu können."


Joachim Saukel
Laufsport Saukel

Warm, wärmer, heiß

Gib deinen Standort an, um Sportgeschäfte, Produkte und Aktionen in deiner Nähe zu finden.

oder

{{localizationError}}

Suche

Gib deinen Suchbegriff ein, um Produkte zu finden oder Infos zu den neuesten Innovationen zu erhalten